VW Bulli vs Kastenwagen – Vor- und Nachteile

VW California oder einen Kastenwagen?
Ein Vergleich.

Nachdem ich in letzter Zeit nun immer wieder gefragt werde (“na, wie isser denn nun im Vergleich zum Bulli?”)hab ich mal ein paar Vor und Nachteile beider Fahrzeuge zusammengeschrieben. Das ist natürlich komplett einseitig und trifft nur für mich zu. Ausserdem fehlt natürlich die Hälfte. Eh klar. Ach ja, und ehe Ihr mich zerfetzt: Ich vergleiche komplett subjektiv einen CALIFORNIA mit einem Kastenwagen mit Schlafdach.

Fahrverhalten

Also hier muss man ganz klar sagen, sind die Unterschiede RIESIG: Während sich der VW Bus eben einfach fährt wie der sprichwörtliche GOLF, merkt man schon beim Einsteigen in den Kastenwagen, dass man hier in einem richtigen Transporter sitzt, fast einem Kleinlaster. Eben in der Sprinter-Klasse. Wo man mit dem VW Bus nochmal Gas gibt, spürt man den identisch motorisierten DUCATO schon leiden. Alles ist ruppiger, eben Nutzfahrzeugiger.

Fahrkomfort

Finger weg vom Kurven schneiden mit dem Kastenwagen. Denn im Vergleich ist der Bulli ein Sportwagen – und ein komfortabler noch dazu. Die Lautstärke im Kastenwagen ist DEUTLICH höher, das Radio scheppert noch mehr, und es rumpelt sogar mehr als im schon schlecht federnden VW Bus. Kein Wunder, sind die Reifen doch mit ganzen 5.5 Bar aufgepostet. Ausserdem ist natürlich anzumerken, dass ein VW Bus einfach “moderner” ist mit all den möglichen Assistenzsystemen. So findet man selten einen Ducato mit Lenkradfernbedienung, und vielen eletronischen Helferlein. 

Alltagstauglichkeit

Mit dem Kastenwagen zum Einkaufen fahren? Parkplatzsuche in der Innenstadt? Wenden in der Altstadt? Ja, das geht alles. ABER ES DAUERT!! Und es kostet Nerven und Kraft. Und eigentlich auch Mut! 
Des weiteren sind da natürlich die schieren Ausmasse: Wo man mit dem VW Bus bei 1.99m Höhe noch gemütlich ins Parkhaus rutscht, bleibt der Kastenwagen (2,70m) draussen. Auch von der Länge her (ein 5er Touring ist länger als ein VW Bus) ist man mit dem Bulli natürlich flexibler in der City bei der Parkplatzsuche. Ein 6m Monster parkt man nicht kurz mal elegant vorm Strassencafe ein…

Langstrecke

Das ist die Überraschung: Hat man sich an die 130 im Kastenwagen erstmal gewöhnt, ist es unglaublich gemütlich. KLAR KANN man mit dem VW Bus auch mal 170 fahren – ich stelle mir allerdings immer die Frage, ob die Leute, die ihren California mit 170 über die Autobahn scheuchen, wirklich das richtige Auto gekauft haben…

Anschaffungspreis

Mal Butter bei die Fische, wie man bei uns sagt: Die Anschaffungskosten für einen halbwegs ausgestatteten VW T5 oder T6 California entbehren jeder Realität. Ein aufgemotztes Malerauto mit Klappdach für 85.000,- Euro? Ernsthaft? Ja klar, dann gibt es auch ein Fullsize-Display mit Navigationscomputer und Bluetooth Tank-Innenbeleuchtung… aber ein GUT ausgestatteter Kastenwagen kostet gut und gerne 40.000,-weniger!!

Unterhaltskosten

Der Verbrauch beim Kastenwagen ist höher als beim Bulli. Realistisch 10l vs. echten 9l beim VW Bus. Nun gibt es Leute die sagen dass sie den VW Bus mit 5l fahren – diese Menschen fahren ihren Kastenwagen vermutlich auch mit 6l.
Die Inspektionskosten und Werkstattkosten kann ich noch nicht wirklich beurteilen beim Ducato, aber EINES weiss ich: Die Werkstattkosten für den VW Bus sind EX ORBITANT hoch. 

Platz

Naja, was soll man dazu sagen? Wer den Bulli gewohnt ist, verläuft sich regelrecht in einem Kastenwagen. Wenn man bei schlechtem Wetter im Bulli nur zusammengekauert am Klapptisch sitzen kann, kann sich im Kastenwagen einer hinten ins Bett legen, während der andere noch mit Freunden am Tisch sitzt. DAS sind WELTEN dazwischen!!

Schlafplätze

Der Bullil hat ja VIER Schlafplätze. Nun kann man darüber streiten, wie die wirklich NUTZBAR sind. Wenn sich alle lieb haben und im Urlaub dem gleichen Rhythmus leben, dann kann das schon mal funktionieren. So lange es nicht regnet jedenfalls. Im Kastenwagen hat man den entscheidenden Vorteil, dass die Betten einfach AUFGEBAUT SIND, und man nicht anfangen muss, stundenlang herumzuräumen bis man endlich in die Federn plumpsen kann. Besonders praktisch, wenn Kinder mit an Bord sind.

Das Schlafdach im Kastenwagen ist höher (cool) und auch etwas grösser (Kopffreiheit) als im VW Bus. ABER man kann nciht einfach über die Vordersitze hochkrabbeln, sondern man benötigt eine Leiter. Die ist zwar im Fahrzeug untergebracht, versperrt aber doch irgendwie immer den Weg. Tagsüber liegt sie bei mir unterm Auto…

Küche und Kochen

IM PRINZIP ist das gar nicht so unterschiedlich. Es gibt (in meinem Kastenwagen jedenfalls) auch zwei Gaskocher und eine kleine Spüle. ABER man kann es BENUTZEN. Also man muss sich nicht auf Knien vor die Küche hocken, sondern man kann ganz normal im Stehen kochen. und das sogar, ohne die Betten abzubauen und den kompletten Wagen vorher auszuräumen. Spass beiseite: Dazwischen sind WELTEN.
Kommen wir zum Kühlschrank: In meinem kleinen Camper (5.40m) ist ein 75l Kompressorkühlschrank – und jetzt kommts: MIT EISFACH. Mehr muss man zu dem Kühlschrank nicht wissen, oder? Ach ja noch etwas Es gibt WARMES WASSER 🙂

Stauraum

Der Bullil ist ein Platzuwunder. Ganz ohne Frage. Wenn man nun aber umzieht vom VW Bus in einen kleinen Kastenwagen bemerkt man zunächst mal was man alles mitgeschleppt hat – aber vor allem merkt man, dass nach dem Einräumen noch viel Platz übrig ist. Allein die Schränke über den Betten für Kleidung sind schon eine riesige Erleichterung – und das Beste: MAN KOMMT DRAN!

Autarkie

Ein California hat 2 Aufbaubatterien (zumindest ein Comfortline / OCEAN). Mit diesen zwei Batterien kommt man ab Werk schon meist 3-4 Tage ohne Landstrom hin. Ein Kastenwagen hat dagegen meist nur eine Aufbaubatterie. Das reicht grad mal für einen Tag. Was natürlich auch daran liegt, dass deutlich mehr Verbraucher im Fahrzeug sind. Es ist dringend zu empfehlen, mindestens eine zweite Aufbaubatterie einzubauen, besser jedoch eine Lithium Batterie und Solarpanels auf dem Dach, um länger oder aber sogar autark stehen zu können.

Beim Wasser dreht es sich allerdings um: Mit 100l Frischwasser und ebenso viel Abwasser kann man schon gemütlich eine Weile am Platz stehen. Der Bulli mit jeweils 30l sieht da schon schneller alt aus.

Heizung

Die Standheizung im Bulli war für mich eine Erleuchtung. Man konnte auch im Herbst am Strand stehen (“StRandheizung”), und auch im Fahrzeug schlafen, wenn die Temperaturen nachts deutlich unter 10 Grad sind. Okay, die Heizung ist laut, und entweder an oder aus – und sie heizt auch nur vorn an der Seite – aber immerhin. Wenn man nun in einem Kastenwagen die Heizung anschaltet, fühlt man sich wie in einem komfort-Apartement. Alles wird gleichmässig warm und mummelig. Es gibt an allen Ecken Auslassdüsen, und die eingestellte Temperatur wird erreicht und gehalten. 
Und das Beste: Es gibt sogar warmes Wasser!!

Klimaanlage

Damit ist nun nicht die Klimaanlage im Stand gemeint – einige Kastenwagen lassen sich über das Dachfenster recht problemlos damit ausrüsten – sondern die Klimaanlage des Grundfahrzeuges, die nur im Fahrbetrieb aktiv ist. Denn bei dieser gibt es einen grossen Unterschied: Während VW den Tx mit einem Doppelkompressor ausstattet, und für die hinten fahrenden einen eigenen Regelbereich hat, gibt es sowas im Kastenwagen nicht. Der Ducato hat eine Klimaanlage im Fahrerhaus. Fertig. Diese gibt es (in 90% der Fälle) manuell und auch als Klimaautomatik. Ich bin also quasi umgestiegen von einem vollautomatisch klimatisierten VW Bus mit zwei Kompressoren auf einen Ducato mit einer manuelle Standard-Klimaanlage. Und – oh Wunder – es geht! JA, eine Klimaautomatik wäre schöner, aber manuell gehts auch. Man muss halt ein wenig rumregeln. Während die PKW Klimaanlage im VW Bus angeblich bei heissen Tagen den Innenraum nicht abkühlen kann, schafft es die Anlage im Ducato ganz gut. Ich würde das mal in die Kategorie “Luxusprobleme” schieben.

Beleuchtung

Ich versteh das ehrlich gesagt nicht. CAMPING war ja das Thema, oder? Warum im Kastenwagen gefühlt hunderte Lämpchen verbaut sind, direkt und indirekt, schick und weniger schick – ich werd das nicht begreifen und nutze nur einen Bruchteil davon – ich weiss aber dass es vielen Menschen sehr wichtig zu sein scheint. Das sieht man auch daran, dass der Bulli ja auch jedes Jahr mehr Lämpchen bekommt…

WC und Co

Wer im Bulli ein Klo will, stellt eins rein. Ein Camping-Klo mit 2 Komponenten Chemie.

Im Kastenwagen gibt es ein komplettes Badezimmer. Ein Kassettenklo (das man auch wirklich nutzen kann) mit einer Chemikalie in der Kassette. und nein, das ist nicht eklig wenn man es ausleert (es sei denn… naja). Ausserdem gibt es ein Waschbecken (jaja, mit warmem Wasser!), und einen Schrank in dem Zahnbürsten und Co Platz haben. Und JA, es gibt auch eine DUSCHE. DAS allerdings ist eine Religionsfrage. ICH hab sie noch nicht benutzt, werde ich aber mal machen…

Zubehör

Wenn man den Bulli gewohnt ist, und Zubehör für einen Kastenwagen sucht, findet sofort: NICHTS.

Für den Bulli gibt es ALLES: Von 3D gedruckten Haken für alles und nichts über Bezüge, Folien, Helferlein, Taschen für alle Ecken und Enden, Lämpchen, Umbaukits, Schläuche, LEDs, Lampen, Felgen, Scheinwerfer, Rückleuchten, Modellautos, T-Shirts, Zeitschriften, Fanclubs, Bullitreffen…

Für Kastenwagen (wie das Wort schon klingt, deshalb nenne ich den Kasten immer “Camper”!) gibt es deutlich weniger. Eigentlich eher nichts. Da muss man schon selber kreativ werden…

Wertverlust und Wiederverkauf

Okay, ein Bulli lässt sich in jedem Zustand jederzeit und überall zu einem enorm hohen Preis verkaufen. Der Gebrauchtmarkt ist teilweise sogar absolut abstrus, wenn es um CALIFORNIA Modelle geht. Da werden Fahrzeuge mit 400.000km Laufleistung oftmals noch mit deutlich über 20.000,- angeboten. Zur Zeit ist allerdings der Markt für ALLES in dem man campen kann wahnsinnig hochpreisig. Wie sich das nun entwickeln wird, kann ich nicht vorhersagen, ich denke aber mal, dass hochwertige Kastenwagen von Pössl, Hymer und Westfalia sicher auch recht wertstabil sind. Prozentual vermutlich nicht SO wertstabil wie ein VW Cali, aber dafür war der Kasten ja auch 30.000,- günstiger 😉

Vorteile

VW Bus (California)

  • Fahrverhalten
  • Komfort
  • Verbrauch niedriger (nicht niedrig, aber niedrigER)
  • Ausstattungsmerkmale
  • Alltagstauglich
  • Coolness
  • Stromversorgung reicht 3 Tage
  • Viele Ausstattungsvarianten ab Werk
  • Alles aus einer Hand (VW)
  • Schlafdach einfach zu erreichen
  • Extrem viel Zubehör
  • Doppel-Klima-Automatik
  • Werterhalt

Kastenwagen

  • Anschaffungspreis
  • Unterhaltskosten
  • Platz
  • Betten fest aufgebaut
  • Schlafplätze
  • Küche
  • Kühlschrank (mit Eisfach!)
  • Stauraum
  • Frischwasser / Abwassertanks sehr gross
  • Hervorragende Heizung
  • Badezimmer
  • Richtige Toilette

Nachteile

VW Bus (California)

  • Anschaffungspreis
  • Unterhaltskosten
  • Betten bauen
  • Wenig Platz
  • Kein (richtiges) WC
  • Frischwasser / Abwassertanks klein
  • Standheizung nervt
  • Keine Toilette
  • kein warmes Wasser

Kastenwagen

  • Komfort
  • Reisegeschwindigkeit
  • Verbrauch höher
  • Alltagstauglichkeit
  • Stromversorgung nur max 1 Tag ab Werk
  • Fahrzeug und Aufbau von unterschiedlichen Herstellern
  • Schlafdach nur über sperrige Leiter erreichbar
  • Kaum cooles Zubehör, viel eher spiessiges zu hohen Preisen
  • Nur eine normale Klimaanlage mit einem Kompressor, selten Klimaautomatik

6 Gedanken zu „VW Bulli vs Kastenwagen – Vor- und Nachteile

  1. Rainer Antworten

    Ich denke, der Preis ist schon ein wichtiges Argument. VW ist an dieser Stelle völlig überteuert. Am Ende ist es aus meiner Sicht auch eine Frage der Philosophie. Wer zuhause in 120 m² mit 30.000 Euro-Küche residiert, wird vielleicht eher zum California greifen. Weil dann eventuell eher das Geld dafür da ist. Wer allerdings tatsächlich unterwegs sein möchte, der wird wohl eher zum Kastenwagen greifen. Wobei ich es auch besser finde, die Betten nicht ständig aufbauen zu müssen und Stauraum für die Klamotten zu haben.

    Sei Deine Schilderung auch subjektiv, finde ich sie doch sehr hilfreich.

    • Mark Antworten

      Vielen liebe Dank für Dei Feedback. Ich denke auch, dass besonders das immer aktuellste Modell des VW Busses auch repräsentative Werte hat…

  2. Michael Homeier Antworten

    Vielen Dank für ” Malerauto” mit Klappdach ! Ich, Malermeister, bin jahrelang mit Ford unterwegs gewesen. Selbst als Malerauto war mir der Bulli viel zu teuer. Kollege hat jetzt nachdem er den dritten Motor ! bekommen hat aud gewechselt. Aber zur Sache. ” Malerauto” war immer ok. Hat immer Spaß gemacht. Klein und wendig 3 Surfbretter und Segel etc. drin. Letztes Jahr auf Kastenwagen umgestiegen. Das sind schon Welten. Besonders wenns kalt wird. Und voll ausgestattet unter 50000.- . Ja, auch viel Geld, aber hat sich gelohnt. Gruß Michael

    • Mark Autor des BeitragsAntworten

      das mit dem “Maler” war in keinem Fall despektierlich gemeint, sorry, wenn es so angekommen ist. Liebe Grüße, Mark

  3. Paul felix Antworten

    Der Kastenwagen ist in der Anschaffung zwar günstiger, aber man braucht für den Alltag ein zweites Auto. Das sind auch Anschaffungskosten, doppelte Unterhaltskosten, Versicherung, etc.
    Beim Bulli braucht man kein zweites!
    Sollte man Evtl auch berücksichtigen.
    Gruss und danke für dein Bericht.

  4. Daniel Antworten

    Hallo Mark,
    dies ist ein schöner, kurzer, aber sehr gelungener Bericht über Bulli vs. Kasten, der mir gut gefallen hat. Danke dafür! Meiner Meinung nach ist die elementare Frage vor dem Kauf eines 40k oder 80k Mobiles jedoch der „eigene Bedarf“ und die „eigene Philosophie“. Wieviel Komfort, wieviel Stauraum für wieviel Personen und mit welcher Ausrichtung (Camping/ Roadtrip/ autarkes Stehen) steht im Fokus. Erst wenn solche Fragen für jeden Einzelnen geklärt sind, sollte man seine Entscheidung in Sachen „besser oder schlechter“ für MICH persönlich, treffen.
    Die Pro und Contra Liste kann sich jeder also nach seinem Gusto erweitern.
    Danke für den tollen Bericht.
    Daniel

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